Workcamp in Frankreich
Sieben Jahre Französisch an der Schule waren weg. Alles vergessen. Zumindest hatte ich genau diesen Eindruck, als ich inmitten meines FSJ in Buenos Aires (2006/2007), versucht habe, ein paar Sätze auf Französisch zu bilden. Ein wenig deprimiert überlegte ich also eines Sommertages im Dezember - noch war ich ja auf der anderen Seite der Erdhalbkugel - wie ich wieder an mein Französisch-Wissen rankommen könnte.
Und nein, einen teuren Sprachkurs konnte ich mir nicht leisten. Was ich plante, waren zwei Workcamps im Sommer 2007 in Frankreich. Beide dauerten drei Wochen, aber das war dann auch schon das einzige, was sie gemeinsam hatten.
Das erste Workcamp fand im Süden von Frankreich statt, im 3000 Seelen-Dorf Montendre, von denen ich aber höchstens 20 (sehr alte) Seelen gesehen habe und ein paar Hunde. Glücklicherweise gab es dann ja aber noch das Workcamp mit Jugendlichen aus allen Herren Ländern; Vika aus Litauen, Jovana aus Mexiko, Young Wan aus Südkorea und so weiter. Jedoch war der groβe Unterschied zu einem üblichem Camp die Tatsache, dass es sich hierbei um ein "Open Workcamp" gehandelt hat - man konnte dem Workcamp-Team beitreten und es wieder verlassen, wann man wollte. Drei Wochen blieb ich dann dort und erlebte, seien wir ehrlich, nicht wirklich viel. Ausnahmen waren: Wochendsausflüge nach Bordeaux (eine wirkliche nette Stadt) und ein Musik-Festival in Montendre am Ende der drei Wochen, welches viele Jugendliche aus dem Süden Frankreichs anlockte. Und naja, natürlich wurde Französisch gelernt, was ja eigentlich der Sinn der Sache war - und gearbeitet. Hauptsächlich wurde an einem Loch gegraben. Später einmal sollte aus diesem Loch ein Regenwassertank werden und dem "Jugendzentrum", wo wir wohnten, zu Gute kommen. Nach drei Wochen dieser zwar anstrengenden, aber auch lustigen Arbeit, fuhr ich dann mit einem Zug zum anderen Workcamp. Aus dem kleinen französischen Dorf im Süden Frankreichs steuerte ich eine Weltmetropole an. Mein nächstes Workcamp fand in Paris statt.
Der Sinn dieses in Sèvres gelegenen Workcamps (etwa 10 km Entfernung zum Zentrum von Paris) war das Errichten eines Gartens samt Mauer. Es sollte der Stadt, aber vor allen Dingen auch den Kindern des Jugendzentrums zu Gute kommen, welches uns tatkräftig unterstützte. Motiviert waren wir also alle - d.h. Spanier, Russen, Südkoreaner, Serben, Armenier, Ukrainer und Deutsche. Es war wirklich ein bunter Mix und wir verstanden uns auch alle super. So super, dass ich auch gleich zusammen mit einer Russin war, aber das ist eine andere Geschichte... Natürlich sind wir alle zusammen so oft wie möglich nach Paris gefahren und waren entweder tanzend in Diskos oder ganz brav und kunstinteressiert im Louvre. Oder wir gingen hoch bis zur Kirche Sacré-Cœur, setzten uns auf die Stufen und genossen von dort aus den Ausblick auf ein sommerliches Paris. Diese Stadt ist wirklich wunderbar. Das Lernen der französischen Sprache jedoch förderte sie nicht unbedingt - aufgrund von zu wenig Zeit, weil man soviel erlebte.
Dennoch, ich habe mein Ziel erreicht und kann jetzt sogar wieder ein bisschen mehr als ein paar Sätze auf Französisch bilden. Aber ist das das Wichtigste gewesen? Natürlich nicht. In beiden Workcamps konnte ich eine Menge Erfahrungen sammeln und werde diese Zeit bestimmt nicht vergessen. Vive la France!
René
Vereinigung Junger Freiwilliger