Belle Île war konkurrenzlos der Höhepunkt dieses Jahres nach einer aufreibenden Klausurenzeit. Eine Insel südlich der Bretagne? Dabei hat doch bereits das westliche Festland Frankreichs den Ruf weg, verregnet und diesig zu sein. Doch die Beschreibungfür Naturliebhaber reizte mich, auf in ein neues Abenteuer!
Über Paris ging es für mich mit dem Zug nach Quiberon und anschließend aufs Schiff. Wir waren 16, eine Horde Freiwilliger bunt zusammengewürfelt aus Europa und dem Rest der Welt. Bereit und voller Tatendrang, nur unsere Aufgabe kannten wir noch nicht. Das sollte sich bald ändern.
Im Camp angekommen bezogen wir unsere Zelte und erforschten die Gegend: Eine Insel wie man sie sich vorstellt! Nicht ganz wie Robinson Crusoe, der auf der Suche nach Freitag Schildkröten erlegt und sein eigenes Brot bäckt. Aber doch eher ein Leben mit der Natur, mit Regen, Sonnenschein und Wind.
Einen historischen Pferdepfad galt es freizulegen. Nach vielen Jahren hat die Vegetation die Oberhand über diesen Weg gewonnen. Nun hieß es anpacken, mit Machete, Sense, Axt, Säge und Vorschlaghammer. Nach wochenlangem Büffeln für Prüfungen war diese körperliche Arbeit genau das richtige Rehabilitationsprogramm. Zusammen schlugen wir Schneisen ins Dickicht, lichteten das Unterholz und fällten Bäume. Über einen sumpfigen Weiher wurde eine Brücke von 15 Metern Länge konstruiert. Die Hänge wurden befestigt, manchmal Treppen gebaut. Unser Wasserverbrauch bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit war enorm!
Doch auch die Zeiten zum Entspannen sollten nicht zu kurz kommen! Sei es gemeinsam Boule zu spielen, im Kleinbus entlegene Traumstrände anzusteuern und ins kühle Nass zu springen oder auch nur eine Abendwanderung entlang der Felsküste zu machen. Oft saßen wir abends noch lange bei Cidre zusammen, philosophierten auf französisch oder auch englisch über Gott und die Welt und fielen schlussendlich müde, aber glücklich, in unseren Schlafsack im Zelt.
Leider machten uns Gewitterschauer einen Strich durch die Rechnung, als wir nachts am Strand unterm Sternenhimmel schlafen wollten. Doch über zu wenig Sommersonne kann ich mich überhaupt nicht beklagen: Arbeit und Strand ließen meine Haut schon nach wenigen Tagen ordentlich braun werden.
Unbedingt muss ich noch den Französischen Nationalfeiertag erwähnen! An unserem letzten Wochenende herrschte Ausnahmezustand auf der Insel. Ein riesiges Feuerwerk und eine beeindruckende Feier bildeten den krönenden Abschluss dieser beiden Wochen. Bis tief in die Nacht feierten wir ausgelassen und tanzten mit den Bewohnern und den Touristen auf den Straßen von Le Palais.
Doch auch diese schöne Zeit fand sein Ende, es hieß Abschied nehmen. Dem Paradies auf Wiedersehen sagen, und doch frohen Mutes nach vorne zu schauen. Fünf Freunde aus meinem letzten Workcamp in den Niederlanden habe ich dieses Jahr in Paris, Prag, Lissabon, Valencia und Sevilla besucht. Somit bleiben neben schönen Erinnerungen auch Freunde und Kontakte in aller Herren Länder.
Jan